Wie entstehen Erdbeben? Was unter unseren Füßen wirklich passiert

Erdbeben entstehen, wenn sich Gesteinsmassen der Erdkruste plötzlich entlang einer Bruchfläche verschieben. Die Erdplatten treiben auf dem zähflüssigen Erdmantel und verhaken sich an ihren Rändern. Üb...

Wie entstehen Erdbeben? Was unter unseren Füßen wirklich passiert
Herbert Hindringer ·
Artikel bewerten:

Erdbeben entstehen, wenn sich Gesteinsmassen der Erdkruste plötzlich entlang einer Bruchfläche verschieben. Die Erdplatten treiben auf dem zähflüssigen Erdmantel und verhaken sich an ihren Rändern. Über Jahre oder Jahrhunderte staut sich Spannung an, die sich ruckartig als Erschütterung entlädt und als Wellen durch den Untergrund läuft.

Am 1. November 1755 legte ein Beben weite Teile Lissabons in Trümmer, und Europa begann zu fragen, was im Untergrund eigentlich geschieht. Bis heute hält sich die Vorstellung, Erdbeben seien ein Problem ferner Plattenränder. Das greift zu kurz. Auch in Deutschland registrieren Messstationen regelmäßig Erschütterungen, die meisten davon so schwach, dass niemand sie bemerkt. Wer versteht, wie sich Spannung im Gestein aufbaut, sieht die Erde mit anderen Augen. Pour approfondir : Mittelstand und nachhaltigkeit: wie KMU vom wandel profitieren.

Wie die Bewegung der Erdplatten Spannung aufbaut

Erdbeben entstehen, wenn sich Gesteinsmassen der Erdkruste plötzlich entlang einer Bruchfläche verschieben. Die Erdkruste bildet zusammen mit dem obersten, starren Teil des Erdmantels die Lithosphäre, und diese ist in Platten zerbrochen. Die Platten schwimmen auf dem zähflüssigen Material des Erdmantels. Dessen Strömungen tragen sie mit sich, nur wenige Zentimeter im Jahr, ungefähr so schnell, wie Fingernägel wachsen. An ihren Rändern schieben sich die Platten aneinander vorbei, tauchen unter eine Nachbarplatte oder driften auseinander. Wo sie sich verhaken, staut sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte Spannung auf, bis das Gestein sie nicht mehr hält. Pour approfondir : Vereinsleben im wandel: wie sich der sportverein reformiert.

Wie ein Ast, der sich biegt und plötzlich bricht, gibt der Untergrund die gespeicherte Energie ruckartig frei. Den Ort, an dem der Bruch beginnt, nennen Seismologen Herd. Der Punkt an der Oberfläche direkt darüber heißt Epizentrum. Wo Platten auseinanderdriften, entsteht dagegen neue Kruste: Aus der Bruchzone steigt heiße Lava auf und erstarrt. Die Mittelozeanischen Rücken, an denen das geschieht, ziehen sich über rund 70.000 Kilometer durch die Weltmeere. Die Erde bebt über 100.000-mal pro Jahr, die allermeisten Erschütterungen bleiben unmerklich und werden nur von Messgeräten erfasst. Ein verbreitetes Bild stimmt übrigens nicht: Die Erde reißt bei einem Beben nicht wie im Film auf und verschluckt Häuser. Der Bruch geschieht in der Tiefe, an der Oberfläche zeigt er sich vor allem als Schwingung. Pour approfondir : Elektromobilität: Wie der Ladenetz-Ausbau an tempo gewinnt.

Nicht jedes Beben ist tektonisch: Vulkane, Einstürze und Sprengungen

Die meisten Schadensbeben haben tektonische Ursachen, doch der Untergrund kann auf mehreren Wegen in Schwingung geraten. Für die Einordnung eines Ereignisses ist die Ursache entscheidend, denn sie sagt viel über Reichweite und Wiederholung aus.

  • Tektonische Beben: Verschiebung von Platten an Bruchfugen der Lithosphäre, die häufigste und folgenreichste Art.
  • Vulkanische Beben: Magma und Gase bewegen sich im Innern eines Vulkans, oft als Vorbote von Ausbrüchen.
  • Einsturzbeben: Unterirdische Hohlräume, etwa alte Stollen oder Karsthöhlen, brechen zusammen oder senken sich ab.
  • Erdrutsche und Bergstürze: Große Massen setzen sich in Bewegung und erschüttern den Boden.
  • Sprengungen: Vom Menschen gemacht, zum Beispiel im Steinbruch, und von Seismografen genau registriert.
  • Seebeben: Ihr Herd liegt unter dem Meeresboden. Sie können Tsunamis auslösen.

Wie stark ein Beben ist, drücken zwei Größen aus, die man oft verwechselt. Die Magnitude beschreibt die am Herd freigesetzte Energie. Die Richterskala war lange der Maßstab, für große Beben verwendet man heute meist die Momenten-Magnituden-Skala. Da beide Skalen logarithmisch aufgebaut sind, steht eine Stufe mehr für grob das 30-Fache an Energie. Die Intensität beschreibt dagegen, was ein Ort tatsächlich erlebt: Wie stark wackeln die Möbel, welche Schäden entstehen? Ein und dasselbe Beben hat deshalb genau eine Magnitude, aber viele Intensitäten. Pour approfondir : Internet der dinge: wie viele vernetzte geräte die deutschen nutzen.

Wie entstehen Erdbeben? einfach erklärt! - Studyflix · Studyflix
Lissabon 1755 und San Fernando 1971: Was zwei Beben über Ursachen und Folgen verraten

Lissabon 1755 und San Fernando 1971: Was zwei Beben über Ursachen und Folgen verraten

Am Allerheiligentag, dem 1. November 1755, zerstörte ein Beben zusammen mit einem Großbrand und einem Tsunami die portugiesische Hauptstadt fast vollständig. Die Schätzungen der Todesopfer reichen von 30.000 bis 100.000, die Magnitude liegt vermutlich bei 8,5 bis 9. Das Epizentrum vermutet man im Atlantik, südwestlich des Cabo de São Vicente. Die Stadt bebte also nicht direkt über dem Herd, und dennoch war die Zerstörung enorm: Erst die Folgeereignisse machten aus einem Beben eine Katastrophe. Die Erschütterung bewegte zudem das geistige Europa, Denker der Aufklärung stritten danach über den Sinn solcher Naturgewalten.

Ganz anders liegt der Fall bei San Fernando. Am 9. Februar 1971 um 6:00:55 Uhr Ortszeit bebte es im San Fernando Valley bei Sylmar, einem Stadtteil von Los Angeles, mit einer Magnitude Mw von 6,6. Das ist mehr als eine Größenordnung weniger Energie als in Lissabon, denn zwei Magnitudenstufen entsprechen ungefähr dem Tausendfachen. Der Herd lag jedoch unter dicht besiedeltem Land, sodass Bauweise und Untergrund die Schäden bestimmten. Beide Beispiele zeigen: Die Folgen von Erdbeben hängen nicht allein von der Stärke ab, sondern von Lage des Herdes, Folgeereignissen wie Feuer oder Flutwelle und der Widerstandsfähigkeit der Gebäude. Nach solchen Katastrophen setzt meist internationale Hilfe ein, die Nothilfe, Wiederaufbau und Vorsorge umfasst.

Gibt es Erdbeben in Deutschland, und warum lassen sie sich nicht vorhersagen?

Ja, auch in Deutschland bebt die Erde, wenn auch meist schwächer als an den großen Plattenrändern. Das Land liegt mitten in einer Platte, doch dort bauen sich ebenfalls Spannungen auf, etwa durch den Druck aus dem Alpenraum. Sie entladen sich an alten Schwächezonen der Kruste, am ehesten im Rheingraben und in der Niederrheinischen Bucht, auf der Schwäbischen Alb und im Vogtland. Die Liste von Erdbeben in Deutschland führt Ereignisse ab einer Magnitude von 3,7 oder einer Intensität V auf, außerdem Beben von überregionalem Interesse. Sie beweist damit, dass die Vorstellung eines erdbebenfreien Mitteleuropas ein Irrtum ist. Die meisten Ereignisse bleiben allerdings unterhalb der Schadensgrenze.

Vorhersagen lassen sich Beben trotzdem nicht, auch nicht dort, wo sie häufig sind. Den Zeitpunkt, an dem ein Gestein bricht, kann bislang niemand zuverlässig bestimmen, denn der Bruchprozess hängt von unzähligen Details im Untergrund ab. Wichtig ist der Unterschied zwischen Vorhersage und Gefährdungseinschätzung: Letztere gibt an, wie wahrscheinlich Erschütterungen einer bestimmten Stärke in einer Region über Jahrzehnte sind, und fließt in Baunormen ein. Eine Warnung für nächsten Dienstag ist das nicht. Wer ein Beben gespürt hat, kann es den seismologischen Diensten melden, deren Messnetze die Daten für diese Einschätzungen liefern.

Réponses express

Was ist der Unterschied zwischen Magnitude und Intensität? • Die Magnitude misst die freigesetzte Energie des Bebens am Herd, die Intensität beschreibt die spürbaren Auswirkungen an einem bestimmten Ort.
Was ist ein Epizentrum? • Das Epizentrum ist der Punkt an der Erdoberfläche, der senkrecht über dem Erdbebenherd liegt.
Warum kann man Erdbeben nicht vorhersagen? • Der Zeitpunkt eines Gesteinsbruchs lässt sich nach heutigem Stand nicht verlässlich bestimmen, möglich sind nur Gefährdungseinschätzungen für Regionen.
Was ist ein Seebeben? • Ein Seebeben ist ein Erdbeben, dessen Herd unter dem Meeresboden liegt und das einen Tsunami auslösen kann.

Erdbeben sind keine Launen der Natur, sondern die logische Folge einer Erde, die nie zur Ruhe kommt. Wer die Mechanik von Spannung und Entladung kennt, kann Risiken nüchtern einschätzen, statt sich von Bildern der Katastrophe leiten zu lassen. Werfen Sie einen Blick auf die Erdbebenliste Ihrer Region und besprechen Sie das Thema mit Ihren Kindern: Wissen ist die beste Vorbereitung.

Contenu vérifié le septembre 2026

Über den Autor

Herbert Hindringer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare