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Agenda21
Hohenbrunn präsentiert junge Autoren
Hohenbrunn
. Publikum im Sperrfeuer. Wortsalven werden in den Raum geschossen: "im
hanns martin grauschleyer der halluzinogenscheinwerfer. im blitzlichtgewimmer
der sofortwortkameras, mit denen dein kabarett das kabinett satiriert –
holzhämmer der verhältnisse bewusstlos und schick" Es geht hier
um uns und die Gesellschaft, in der wir leben. Der junge Autor Gerald Fiebig
aus Augsburg liest in gnadenlosem Stakkato aus seinen "erinnerungen an die
90er jahre" lyrische Anklagen an eine kalte, von Kommerz und Politik korrumpierte,
einsame Gesellschaft.
Der
Gedichtband ist im yedermann Verlag erschienen, der in Riemerling ansässig
ist. Das ist auch der Grund, warum die beiden Verleger Oliver Brauer und Sebastian
Myrus an diesem Donnerstag Abend mit ihren Autoren Fiebig und Herbert Hindringer
in Schumm's Weinstuben in Hohenbrunn zum Literaturabend erschienen sind, den
die örtliche Agenda 21 organisiert hat. Ein Heimspiel gewissermaßen.
So
bekommen die Hohenbrunner Lyrik und Prosa zu hören, wie sie sonst auf
Leseveranstaltungen und so genannten "Poetry Slams" in Münchner Clubs
zu hören sind. Dort suchen Brauer und Myrus, die yedermann vor vier Jahren
aus Leidenschaft zur Literatur gegründet haben, ihre Autoren und knüpfen
Kontakte.
Das
Netz wächst. Herbert Hindringer, ein junger Passauer Autor, der an diesem
Abend Prosa und Liebeslyrik liest, ist zum Beispiel auf Empfehlung seines
Kollegen Fiebig zum yedermann Verlag gekommen. "Wir sind inzwischen ein kleiner
Teil der Literatur-Szene", sagt Brauer. Gesucht und publiziert werden Autoren,
die etwas zu sagen haben. Fiebig und Hindringer gehören ohne Zweifel
zu dieser Kategorie von Literaten. Herbert Hindringer, dessen erstes Buch
"biete bluterguss & suche das weite" im vergangenen Jahr bei yedermann
erschienen ist, schreibt Poesie mit Hintergrund.
Bisweilen
absurd, ehrlich, manchmal verzweifelt und mit Blick fürs Detail, die
kleinen großen Gefühle. "die die jetzt mit gebrochenem genick ins
bett fallen/ sind keine tiere mehr/ weil ich es bin/ der leidet wie ein hund",
heißt es im Gedicht "der kontrollausschuss" oder "ich seh die welt und
denk an dich/ und nur deshalb kann ich nicht tagesschausprecher werden, sondern
les nur gedichte vor/ über dich/ mit glühendem kopf/ und ohne brille"
zum Schluss von "assoziationen".
In
Aussage und Anspruch ihrer Texte unterscheiden sich die beiden jungen Autoren,
nicht aber so sehr in ihrem Umgang mit der Sprache. Ihre Texte bilden Sinnketten
von Wörtern, Wortschöpfungen, Wortspielen, verfremdeten Zitaten
oder Anspielungen. Sie bieten dem aufmerksamen Leser deshalb eine ungeheure
Fülle an Assoziationen und schaffen so eigene Welten. Die Werke von Hindringer
und Fiebig sind nichts für die Oberfläche, sehr dicht, nicht leicht
und auch nicht leicht verdaulich. Ihr Klang hallt nach. Das Sperrfeuer und
die Schönheit der Worte.
(Elisa
Holz in der Süddeutschen Zeitung vom 13.11.2004)

erster von links: mr. hindringer,
erster von rechts: mr. fiebig
(foto: eiliger pressefritze, lächeln:
erzwungen)